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Aussprachestörungen bei Kindern

Wenn Laute fehlen, vertauscht oder verändert werden – und wann das behandlungsbedürftig ist.

Fast alle Kinder sprechen in den ersten Lebensjahren nicht „perfekt" – und das ist vollkommen normal. Bestimmte Laute sind entwicklungsbedingt erst spät erreichbar. Entscheidend ist, ob die Aussprache dem Alter des Kindes entspricht oder ob sie davon deutlich abweicht.

Was ist eine Aussprachestörung?

Man unterscheidet zwei grundlegende Formen: phonetische und phonologische Störungen.

Bei einer phonetischen Störung kann ein Kind einen bestimmten Laut motorisch nicht bilden – also nicht korrekt artikulieren. Ein häufiges Beispiel ist das laterale oder addentale S (umgangssprachlich „Lispeln"), bei dem die Zunge eine ungewöhnliche Position einnimmt.

Bei einer phonologischen Störung geht es nicht um die motorische Bildung einzelner Laute, sondern um das Lautsystem als Ganzes. Das Kind hat Schwierigkeiten, Lautunterschiede systematisch zu nutzen, um Bedeutungen zu unterscheiden. Es verwendet bestimmte Vereinfachungsmuster, zum Beispiel werden alle Reibelaute durch Plosive ersetzt oder Konsonantenverbindungen werden vereinfacht. Diese Muster sind in der frühen Sprachentwicklung normal – bleiben sie zu lange bestehen, können sie das Sprachverständnis und später auch das Schriftspracherwerb beeinflussen.

Wann ist welcher Laut zu erwarten?

Laute werden in einer bestimmten Reihenfolge erworben. Grob gilt:

Bis 3 Jahre

M, N, P, B, T, D, W, F sollten sicher gebildet werden können.

Bis 4 Jahre

K, G, H, L kommen hinzu. Die Sprache ist für Fremde überwiegend verständlich.

Bis 5 Jahre

S, SCH, CH, J, R werden erworben. Vereinfachungen nehmen deutlich ab.

Bis 6–7 Jahre

Konsonantenverbindungen und alle Lautkontraste sollten vollständig beherrscht werden.

Ein Kind, das mit 3 Jahren noch kein R spricht, ist deshalb noch nicht behandlungsbedürftig. Ein Kind, das mit 5 Jahren noch viele Laute vereinfacht und kaum verständlich ist, schon eher.

Wenn Sie unsicher sind, ob die Aussprache Ihres Kindes dem Alter entspricht, ist eine logopädische Einschätzung der schnellste Weg zur Klarheit. Eine Diagnose ist keine Voraussetzung – Sie können mich auch ohne Rezept um eine erste Einschätzung bitten.

Was in der Therapie passiert

Je nach Art der Störung unterscheidet sich der therapeutische Ansatz.

Bei phonetischen Störungen steht die motorische Erarbeitung des Lautes im Vordergrund: Wie muss die Zunge liegen? Welchen Weg nimmt der Luftstrom? Das wird zunächst isoliert geübt, dann in Silben, Wörtern und schließlich im freien Sprechen automatisiert. Dieser Prozess braucht Zeit und Wiederholung – dafür ist er in der Regel gut planbar.

Bei phonologischen Störungen geht es weniger um einzelne Laute als um das Lautsystem. Ziel ist, dass das Kind versteht, dass Lautunterschiede bedeutungsunterscheidend sind. Dafür werden kontrastive Übungsansätze genutzt, bei denen Minimalpaare wie „Tanne" und „Sanne" oder „Ball" und „Fall" eine wichtige Rolle spielen.

Zusammenhang mit der Sprachentwicklung

Aussprache und Sprachentwicklung hängen eng zusammen. Kinder mit phonologischen Störungen haben häufig auch Schwierigkeiten im Bereich Grammatik oder Wortschatz, oder entwickeln später Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb, also beim Lesen und Schreiben.

Wenn Sie mehr über die allgemeine Sprachentwicklung erfahren möchten, zum Beispiel wann ein Kind welche Meilensteine erreichen sollte oder was einen Late Talker ausmacht, finden Sie ausführliche Informationen auf der Seite zur Sprachentwicklung.

Eltern als Partner

Auch bei der Aussprache gilt: Was in der Therapie erarbeitet wird, muss im Alltag ankommen. Ich gebe Ihnen konkrete Hinweise, wie Sie Ihr Kind zu Hause unterstützen können, ohne dass es sich „korrigiert" fühlt. Denn Lautkorrektur im falschen Moment kann Kinder verunsichern und das Sprechen hemmen.

Fragen zur Aussprache Ihres Kindes?

Ich berate Sie gerne – unverbindlich und auf Ihre Situation bezogen.

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